Postnatale Depression nach der Geburt meiner Tochter

Gast-Blogger: Marjon van Overbeek

Meine Bewältigungsstrategie war (ist?) stets weiterzumachen, egal was passiert. „Kein Aufheben machen.“ „Anderen geht es viel schlimmer.“ „Es wird schon irgendwie gehen.“ „Alles wird gut.“ Aber am Ende konnte ich es nicht mehr aushalten. Nachdem ich mehrmals meinen Hausarzt aufgesucht hatte, landete ich beim Krisendienst des sozialpsychiatrischen Dienstes (GGZ), Abteilung für postnatale Depression.

Anderthalb Jahre der Qual: von Mini-Psychosen zum Krisendienst des GGZ

Meine Tochter war da fast anderthalb Jahre alt. Ja, ich habe mich anderthalb Jahre lang durchgequält, bin ein Dutzend Mal zum Arzt gegangen, war schon auf niedrig-dosierten Antidepressiva und habe mit EMDR begonnen. Einmal im Monat bin ich zu einem „normalen“ Psychologen gegangen, der allerdings bei Notfällen nicht rund-um-die-Uhr verfügbar war. Ich konnte es in der Tat kommen spüren: Irgendwann wurde mir einfach alles zu viel. Es folgten Mini-Psychosen und eines Tages, während der Probezeit bei meinem neuen Job, sollte ich einen Tag zu Hause arbeiten, weil es niemanden gab, der mich einarbeiten. Und plötzlich konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich fing an zu weinen und konnte nicht mehr aufhören. Zusammen mit meinem Partner habe ich dann die in der Sprechstunde meines Hausarztes angerufen und wurde direkt mit dem diensthabenden Hausarzt verbunden. Der sagte: „Nehmen Sie gleich eine weitere Tablette von den Antidepressiva, und ich melde Sie inzwischen beim Krisendienst des GGZ an.“ Zwei Tage später stellte ich mich dort vor und erzählte meine Geschichte. „Schön, dass Sie gekommen sind,“ sagte man mir. „Sie haben (postnatale) Depressionen, aber wir können Ihnen helfen.“

Ich fühlte mich gut aufgehoben beim GGZ

Man hört ja viele negative Geschichten über den GGZ: lange Wartezeiten, man wird nicht ernst genommen, keine angemessene Unterstützung. Ich kann das Gegenteil bestätigen: Ich hatte das Gefühl, dass man mir genau zuhört und mich ernst nimmt. Und ist das nicht das Wichtigste, wenn man sich als Mutter mit einem Kleinkind niedergeschlagen fühlt? Oder in jedem anderen Fall, auch ohne Kind. Denn wir als „frischgebackene“ Mütter sollen auf einer rosaroten Wolke sitzen, wir sollen alles süß und wunderbar finden, dabei kann es überwältigend sein und man kann sich schnell hilflos fühlen, wenn man es mit einem Heulbaby (in unserem Fall) zu tun hat. Und in diesen Fällen kann man dann in die Sprechstunde gehen. Man muss nur jemanden treffen, der durch alles hindurchsieht und fragt: „Ist alles in Ordnung?“ „Gibt es etwas, was ich für Sie tun kann?“ Oder besser noch: „Ich komme heute Nachmittag vorbei, um mit Ihrem Baby spazieren zu gehen. Dann können Sie mal etwas tun, worauf Sie Lust haben.“

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Verschiedene Therapien während meiner postnatalen Depression

Am Ende war ich ein Jahr lang in Therapie: intensive häusliche Behandlung (IHT, die machen Hausbesuche), Teilzeit-Gruppentherapie, individuelle psychomotorische Therapie, gruppenpsychomotorische Therapie, EMDR mit dem Psychologen, Gespräche mit dem Psychiater und verschiedene antipsychotische Medikamente und Gespräche mit der ambulanten Krankenschwester.

Es war heftig, aber: Ich habe überlebt!

Meine Tochter feiert ihren fünften Geburtstag in sechs Tagen und ich kann jetzt sagen: Ich habe überlebt! Sogar mit einem zweiten Kind (Heulbaby). Gerade jetzt mit dem zweiten (Heul)Baby weiß ich, worauf ich achten muss. Ich hatte nicht nur einen Geburtsplan hätte, sondern auch einen Wochenbettplan bzw. einen Plan für die Zeit nach der Entbindung: Wer kann uns wobei helfen?

Ein zweites (Heul)Baby

Mein kleiner Sohn ist jetzt fast 9 Monate alt und leider musste ich wieder zum sozialpsychiatrischen Dienst: Ich brauche Schlafmittel, weil ich meinen Sohn im Schlaf weinen höre (obwohl er ganz ruhig schläft). Wussten Sie, dass Schlafmangel das größte Übel ist? Schlafmangel führt dazu, dass man schneller gereizt ist, weniger erledigen kann, sich besonders erschöpft fühlt. Es kann sogar dazu führen, dass man Wahnvorstellungen oder Halluzinationen bekommt. Während meiner postpartalen Phase rief ich einmal pro Woche den Psychiater an, der mich fragte, wie es mir ginge. „Schlafen, schlafen, schlafen….,“ er konnte es nicht oft genug wiederholen.

Und dann dieses Schuldgefühl – es ist ja immer da. Schuldgefühle, weil man schläft, während der Partner euer Kind schaukelt, Schuldgefühle, weil man sein Kind nicht in den Armen halten willst, Schuldgefühle, weil man sich nicht für eine gute Mutter hält.

Du weißt, was das Beste ist

Aber dein Kind trägt ja deine DNA in sich. Es ist DEIN Baby. Dein Baby kann sich keine bessere Mutter wünschen. Du weißt, was das Beste für dein Kind ist. Und du weißt, was das Beste für dich selbst ist.

Und ob ich meine Kinder liebe und ob ich endlich eine starke Bindung zu meiner Tochter aufbauen konnte? Absolut! Die Vergangenheit lässt sich leider nicht rückgängig machen, aber auch aufgrund der Therapie kann ich jetzt gut darüber sprechen und meine Geschichte unter anderem auf meinem Instagram-Account teilen. In der schweren, dunklen Zeit nach der Geburt meiner  Tochter habe ich mich vor allem einsam und allein gefühlt. Deshalb habe ich angefangen, meine Gefühle mit anderen zu teilen, aber ich gebe auch gerne Tipps, auf die ich online stoße, weiter. Lassen Sie uns in dieser überwältigenden Zeit der „frischgebackenen“ Mutterschaft füreinander da sein. Und seien Sie nett zu sich selbst!

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