Die „Bocksprünge“ Ihres Kindes

Bewegen - Oje, ich Wachse!

Verhalten und die Folgen

Wenn Sie die schönen, aber auch schwierigen Babymonate hinter sich haben, beginnt das Kleinkindalter. Eine Phase, in der Ihr Kind in einem schwindelerregenden Tempo neue Dinge lernt – viele schöne Sachen, aber auch einige weniger schöne wie Konflikte suchen, quengeln und andere manipulieren.

Alle Entwicklungssprünge beginnen mit einer schwierigen Zeit, in der das Kind besonders anhänglich, weinerlich und launisch ist, doch die Sprünge während des zweiten Jahres sind deutlich mühsamer. Im ersten halben Lebensjahr sind Eltern in Anbetracht der schwierigen Phasen ihres Babys lediglich irritiert, doch sie wissen, dass ihr Kind nichts dafür kann und trösten es. Im zweiten Halbjahr sind Eltern dann schon häufiger verunsichert und probieren bspw., ihr Baby irgendwie abzulenken. Ein Baby lässt sich meist noch darauf ein. Doch bei einem Kind im zweiten Lebensjahr klappt das in vielen Fällen nicht mehr – das führt zu Konflikten und manchmal zu regelrechten Streitigkeiten. Diese Phase ist vielleicht sogar noch schwieriger als die Pubertät!

15 Monate: ein echtes Kleinkind

Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass diese Phase bei Kleinkindern Teil ihrer normalen Entwicklung ist. Lassen Sie sich davon nicht verrückt machen und halten Sie sich vor Augen, dass solche Phasen auch wieder vorbeigehen Es macht einen großen Unterschied, wenn Sie die Sache mit einer positiven Haltung angehen. Beim neunten Entwicklungssprung , der um die 64. Woche oder mit fast 15 Monaten stattfindet, macht Ihr Kind eine besonders drastische Veränderung durch. Es ist nun kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind. Es hat nun die Fähigkeit, „Prinzipien“ wahrzunehmen und damit umzugehen. Es kann seine Handlungen abstrahieren. Ihr Kind kann mittlerweile viele Dinge, z.B. den Brei mit einem Löffel essen und beim Tischdecken und Abräumen helfen. Es lernt jetzt, was es tun muss, um ein Ziel zu erreichen. Auch wenn das immer auf die gleiche Art und Weise geschieht, denn es kann sich noch nicht den äußeren Umständen anpassen. Das ist erst nach dem nächsten Entwicklungssprung der Fall.

Gefühle und Späße

Ihr Kind kann nun zum ersten Mal Aktionen, die es gelernt hat, verändert ausführen. Mit dieser neuen Fähigkeit spielt es: Sie sehen es Handlungen endlos variieren und die Folgen davon beobachten. Sie entdecken Ihr Kind dabei, wie es lustige Dinge tut, die Außenwelt kennenlernt, geschickter mit Gegenständen und Sprache umgeht, andere nachmacht, den Tagesablauf nachspielt, Gefühle austestet, vorausdenkt, kleine Theaterstücke aufführt und Mitsprache einfordert. Sie stellen jetzt fest, dass es auch aggressiv sein kann, einen Unterschied zwischen „mein“ und „dein“ zu machen beginnt, Scherze als Strategie einsetzt, um etwas zu bekommen, mit den Begriffen „ja“ und „nein“ jongliert, einfallsreicher wird, um andere für sich zu gewinnen, die Bedeutung von Zusammenarbeit lernt, im Haushalt mithelfen will und mit den Attributen „unbesonnen“ und „sorgsam“ experimentiert.

Den Willen durchsetzen

Erwachsene haben eine jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der Prinzipien. Wir wissen z.B., was Gerechtigkeit, Freundlichkeit, Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zusammenarbeit bedeuten. Wir wissen aber auch, wie wir mit unserem Verhalten anderen gegenüber das erreichen können, was wir wollen. Ihr Kind muss das alles erst noch lernen. Es experimentiert. Und es findet heraus, dass man mit Bravheit eine ganze Menge erreichen kann. Mit großen Augen und einer einschmeichelnden Stimme bearbeitet es Sie, um seinen Willen durchzusetzen. Eigentlich ziemlich schlau!

Türme aus Bausteinen

Bei den sozialen Prinzipien geht es um Dinge, die sich gehören, und Dinge, die man besser nicht tun sollte. Diese Prinzipien haben mit Normen und Werten zu tun. Doch existieren auch andere Arten von Prinzipien, die nicht sozialer Natur sind. Ein solches Prinzip könnte es bspw. sein, beim Puzzeln mit dem Rand zu beginnen. Ein anderes Prinzip ist möglicherweise, die Speisen, die man nicht so gerne mag, zuerst zu essen, und sich die leckeren Sachen bis zum Schluss aufzusparen. Doch auch die Naturgesetze gehören zu den nicht-sozialen Prinzipien – und Ihr Kind beginnt jetzt, diese Naturgesetze zu entdecken! Es lernt, einen Turm aus Bausteinen zu bauen, indem es den größten Baustein als Grundstock nimmt und die anderen Bausteine darauf stapelt. Wenn es den Turm nicht auf diese Weise baut, fällt er um und Ihr Kind ist frustriert.